Laufend besser Bremerhaven

Laufen - Walking und Nordic - Walking

 

 

Aufs WM-Treppchen gestöckelt

06.06.2014 - 17:32 Uhr Von Ute Schröder

Foto Adebahr

Sabine Weber ist eigentlich eine passionierte Läuferin – aber auch Nordic Walking liegt ihr. Jetzt wurde sie Dritte bei der Weltmeisterschaft in Roding.  

Bremerhaven. Als „Stockenten“ werden sie belächelt, die Nordic-Walking-Läufer, die durch die Parks marschieren. „Wer läuft, der walkt eigentlich nicht“, sagt Sabine Weber – und sie ist eine Ausnahme. Die passionierte Läuferin greift auch zu den Stöcken. Jetzt wurde sie Dritte bei der Weltmeisterschaft im bayerischen Roding. „Ein toller Lauf mit ganz viel Atmosphäre“, schwärmt die fünffache Mutter.

Mit 41 Jahren entdeckte die zierliche Bremerhavenerin ihre Liebe zum Laufen. Das ist jetzt sechs Jahre her. Heute kann sie sich ein Leben ohne ihre Laufschuhe nicht mehr vorstellen. Ein lockerer Trainingslauf umfasst bei ihr 20 Kilometer. „Ich bin dann in Spaden und Schiffdorf unterwegs.“ Viermal in der Woche läuft sie los, „immer dann, wenn es passt“, sagt die Frau mit dem langen Pferdeschwanz, die auch noch Pilates macht.

Nach dem Wettkampf gehe ich, als wäre ich im 18. Monat schwanger.
Sabine Weber,
Läuferin und Nordic-Walkerin

Nach ihrem ersten Marathon in Bremerhaven 2009, „nach drei Monaten Training“, war sie auf der Suche nach etwas Neuem und probierte Nordic Walking aus. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich das ganz gut kann, auch wenn ich mich nicht so anstrenge“, sagt Sabine Weber und lacht.

Für die Nordic-Walking-WM, an der jetzt elf Nationen teilnahmen, gibt es keine Qualifikation. Man muss die Technik beherrschen, das war’s. Bereits im vergangenen Jahr ging Sabine Weber an den Start – auch damals wurde sie Dritte. „Man läuft einen Halbmarathon, aber hoch und runter und über Stock und Stein.“ Eine Runde umfasst 6,25 Kilometer – und auf dieser Strecke stehen 40 Kampfrichter, die darauf achten, dass niemand der 300 Teilnehmer anfängt zu laufen. „Wer beim Schummeln erwischt wird, bekommt zwei Strafminuten. Beim zweiten Vergehen gibt es nochmal zwei, danach wird man disqualifiziert“, erklärt die zierliche Frau, die 14 Kilo abgenommen hat, seit sie läuft.

Zehn bis zwölf Wochen vor der WM fängt sie mit dem Nordic-Walking-Training an. „Nach dem Wettkampf gehe ich, als wäre ich im 18. Monat schwanger“, erzählt Sabine Weber. „Ich watschele nur noch.“ Trotzdem: Auch im kommenden Jahr will sie wieder dabei sein. „Und dann will ich gewinnen“, sagt die 47-Jährige und strahlt. Um dieses Ziel zu erreichen, will sie ab jetzt einmal in der Woche zu den Stöcken greifen.

2:23:04 Stunden hat Sabine Weber für die Halbmarathon-Strecke in Roding benötigt, eine neue persönliche Bestzeit mit Stöcken. Ohne liegt ihre Bestmarke bei 1:42. Dennoch: Im Nordic Walking schafft sie etwas, was ihr „solo“ noch nicht gelingt: Sie schlägt ihren Mann Olaf. Der hat sich anstecken lassen – „aber zu Hause traut er sich noch nicht richtig“, sagt seine Frau und lacht wieder. In Roding ist er 2:30 Stunden gelaufen, zwei Strafminuten inklusive. Seine Halbmarathon-Bestzeit liegt bei 1:36.

  

Zusammen hat das Ehepaar im Speckenbütteler Park für die WM trainiert und ist dabei auch an einer Nordic-Walking-Einsteigergruppe vorbeigelaufen. „Die haben ganz schön gestaunt“, sagt Sabine Weber. Ja, Stockenten können auch fliegen.

 Nordic-Walking-WM

Die Weltmeisterschaft im Nordic Walking (Halbmarathon) wurde 2014 zum zweiten Mal in Roding ausgetragen – zusammen mit dem 10. Mühlbauer Spendenlauf. Frauen und Männer starten gemeinsam, werden aber getrennt gewertet. Elf Nationen nahmen teil; die Läufer werden einzeln, aber auch in Teams gewertet. Die Bremerhavener laufen im Team Niedersachsen. Es gewannen zwei Deutsche: Sylvia Rose bei den Frauen, Michael Epp bei den Herren.